Im 16. Jahrhundert entwarf Sen no Rikyū das japanische Teehaus. Der Eingang — das Nijiriguchi — war so niedrig, dass selbst der mächtigste Samurai sich bücken und das Schwert ablegen musste. Wer eintrat, wurde gleich. Unter einem Dach.
Drei Jahrhunderte später schrieben in Wien Schubert und seine Freunde Hausmusik in Salons, in denen Aristokraten und Handwerker Seite an Seite saßen. Im 20. Jahrhundert formulierte Martin Buber dieselbe Idee philosophisch: »Alles wirkliche Leben ist Begegnung.«
Dieselbe Frage, immer wieder. Wo darf der Mensch er selbst sein? Wo darf das Unfertige, das Ungeklärte, das Stille zugelassen werden?
In Schuberts Wien waren es nicht die Institutionen, die die Abende am Leben hielten. Es waren die, die ihre Häuser öffneten. Die Zusammenkünfte veranstalteten, die nichts produzierten — kein Ergebnis, kein Protokoll, keinen Nutzen. Aristokraten saßen neben Handwerkern. Die Musik erklang einmal und verschwand. Niemand hätte im Voraus erklären können, warum es wichtig war.
Und doch hat etwas aus diesen Räumen zwei Jahrhunderte überdauert.
Die Menschen, die das ermöglichten, verstanden still etwas: dass eine Welt ohne Raum für das Zwecklose mit der Zeit die Fähigkeit verliert, überhaupt noch etwas zu fühlen. Sie haben nicht für Rendite gehandelt. Sie spürten einfach, dass der Raum notwendig war.
Etwas Ähnliches geschieht jetzt. Menschen kehren zurück zu dem, was sich nicht einplanen lässt — in Wälder, in ungeplante Abende, zu Musik in kleinen Räumen, zu Gesprächen, die ohne Schluss versiegen. Etwas in uns scheint das zu wissen, bevor wir es sagen können. In einer Welt, in der alles optimiert werden kann, wird das eine, was es nicht kann — mit einer offenen Frage zu sitzen — zu dem, was die Menschen still suchen. Vielleicht bewegen sich die Mäzene unserer Zeit bereits. Sie haben nur noch keinen Namen für das, was sie spüren.
Wir hätten etwas wählen können, das sich bezahlt macht. Wir haben die Aufrichtigkeit gewählt. Dieses Projekt fragt, was uns das gekostet hat.
What Are We Worth? entsteht aus dieser langen Linie. Wir sprechen über Geld, weil über Geld nicht gesprochen wird. Wir sprechen über Einsamkeit, weil sie sich hinter den perfekten Auftritten unserer Welt versteckt. Und wir bauen — für einen Abend in Feldkirch — einen Raum, in dem Studierende, Lehrende, Publikum und Institutionen unter einem Dach sitzen können. Als sie selbst.
Es ist kein neuer Gedanke. Es ist ein sehr alter, der wieder gehört werden muss.
Eine Frage ohne Antwort ist keine Schwäche. Sie ist ein Ort.
Diese Arbeit ist Teil einer längeren Untersuchung über Räume ohne Antworten.